chileCarla Cerpa, Kollektiv Con-spirando, Chile

Achtundvierzig Frauen in drei Gemeinden von Santiago nahmen an den Kursen für Feministische Theologie und Führung teil. Die Kurse wurden vom Kollektiv Con-spirando organisiert. Die bearbeiteten Themen waren: Führung und Selbstfürsorge; Gender und Theologie; digitale Alphabetisierung. Die Teilnehmerinnen betrachteten den Lernprozess als sehr positiv, da die Schulung auf zwei Ebenen erfolgte, einerseits auf der theoretischen – der erlebnisbasierten Ebene – und auf einer anderen, praktischen Ebene, in der eine bestimmte konkrete Lösung erlernt wurde, welche die Führungsmöglichkeiten erleichtern sollte. Ausserdem wurden das subjektive Erlebnis und die Körperlichkeit als Ausgangspunkt betrachtet. Die Arbeit der Selbstfürsorge gilt als Hauptmittelpunkt.

In diesen zwei verschiedenen Bereichen zu arbeiten, ermöglichte es uns, sowohl evangelische wie auch Laienorganisationen anzusprechen und deren differenzierte, vom jeweiligen Kontext abhängige Anforderungen zu erkennen.

Wir entdeckten, dass Frauen in Führungspositionen oder als Leiterinnen in sozialen Organisationen im staatlichen System integriert sind und sich in einer Art gegenseitiger Abhängigkeit unterstützen. Einerseits erhalten Frauen Ressourcen von den Gemeinden für ihre Aktivitäten, andererseits braucht die Gemeinde eine Verknüpfung mit den gesellschaftlichen Organisationen, um ihre Ziele und Programme zu erfüllen. Des Öfteren reproduzierten diese Kurse aber auch Abhängigkeitsbeziehungen und dann entwickeln sich weder kritisches Denken noch tiefere Reflexionsprozesse. Dementsprechend zeigten sich Leere und Unwissenheit in Bezug auf Menschenrechte, Frauenbewegung, Informationen und Fakten. Ausserdem fehlte es hier auch an einer Analyse des politischen Kontextes und der nationalen Realität.

Diese Diagnose gab uns Hinweise auf zukünftige Themen, die bearbeitet werden müssten.

Auf der anderen Seite sehen wir, wie die hegemonialen Gendermodelle reproduziert wurden, da Frauen überfordert sind und mehrere Rollen ausüben, als Frau, Mutter, Hausfrau und soziale Akteurin. Deshalb arbeiten wir in den Kursen an der Erkennung der einzelnen Rollen und der Genderstereotype in ihrem Alltag.[:es]