Originaltext in Fair unterwegs

Musik, Malerei, Tanz, Rituale, Politik und Spiritualität: Josefina Hurtado nutzt alle verfügbaren Quellen, um sich mit dem Fluss des Lebens zu verbinden und Brücken zu anderen Menschen zu schlagen. Die Sozialanthropologin aus Chile liest gerne Bücher zur Erweiterung der eigenen Perspektive und zur Einstimmung auf die Ferien. Selbst publiziert hat sie zu Ökofeminismus und Transformation

Du warst kürzlich in den Ferien. Mit welcher Lektüre hast du dich eingestimmt?

Auf dem Weg nach Chile hatte ich einen längeren Zwischenhalt in Amsterdam. Solche Zwischenhalte nutze ich gerne, um in den Bücherläden des Flughafens zu stöbern. Dort fand ich “Satoru und das Geheimnis des Glücks. Reisebericht einer Katze” der japanischen Autorin Hiro Arikawa. Kater Nana beschreibt, wie er mit seinem Halter Satoru zu allen Menschen reist, die auf Satorus Lebensweg eine Rolle gespielt hatten. Erst gegen den Schluss wird klar, dass Satoru eigentlich eine Bleibe für Nana sucht, weil er nur noch kurze Zeit zu leben hat. Die Beschreibung der Freundschaft zwischen Satoru und Nana ist sehr berührend, ebenso der tiefe Blick von Nana auf die unterschiedlichen Menschen.

Von meiner Schwester habe ich das Buch “Somos polvo de estrellas” (Wir sind Sternenstaub) des chilenischen Wissenschaftlers José María Maza übernommen. Der Autor schreibt über den Big Bang, den Anfangsmoment von Allem. Er geht der Frage nach, wie wir ganz einfach kommunizieren können, wer wir sind. Ich selbst habe einmal mit der Idee gearbeitet, dass wir alle Sternenstaub sind. Und der chilenische Filmschaffende Patricio Guzman macht im Film “La nostalgia de la luz” eine Analogie zwischen Forschern, die in der Atacama-Wüste in den Himmel blicken und den Ursprung des Universums erkunden, und den Frauen, die im Wüstensand um die Observatorien herum nach sterblichen Überresten ihrer Liebsten suchen, die Opfer der Militärdiktatur geworden sind. Der Film lief vor drei Jahren auch in Basel. Das Buch von Maza verband sich wunderbar mit meinen eigenen Erfahrungen und dem Film.

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