Ein Auszug aus “Wer sitzt nicht mit am Tisch? Perspektiven von Frauen und eine holistische Mission gehen Hand in Hand” von Fulata L. Moyo.

Die Kontextuelle Exegese (KE) – Contextual Bible Studies (CBS) im englischen Original – wurde von Sarojini Nadar entwickelt, Dozentin für Bibelstudium und Leiterin der Abteilung für Gender, Religion und Theologie an der Schule für Religion, Philosophie und Klassische Altertumswissenschaft an der Universität von KwaZulu-Natal in Südafrika, sowie aktives Mitglied des Kreises Besorgter Afrikanischer Theologinnen. Diese Methode ist ein geistiges Kind der Befreiungstheologie und eines gemeinschaftsbasierten Bewusstseinsmachungsvorgangs, bei dem zuweilen schwer zugängliche, aber zu Veränderungen führende biblische Texte eingesetzt werden. Es handelt sich um eine interaktive Exegese, bei der der Kontext des/r Lesers/in und der Bibelkontext in Dialog gebracht werden. Dies wird durch Fragen eines/r Vermittlers/in dahingehend geleitet, dass Bewusstsein zur Transformation eines Problems erreicht wird, welches der den Vorgang ersuchenden Gemeinschaft besondere Sorgen bereitet.

Die fünf Schlüsselwörter der KE sind: Interaktion mit der Gemeinde; Kontext des/r Lesers/in (Soziale Lokalisierung); Kritisches Herangehen an den Bibelkontext; Kritische Bewusstseinsmachung; Transformation. Um sicherzustellen, dass der Transformationsvorgang stattfindet, fordern die abschließenden Fragen die Teilnehmer/innen immer dazu auf, einen Aktionsplan zu entwickeln. Die Fragen sind meist: Was werden Sie nun als Reaktion auf diese Exegese tun? Stehen dazu Ressourcen zur Verfügung?

Wie man eine KE konzipiert:

Kontextuelle Exegese wurde im Zusammenklang mit traditionellen hermeneutischen Prinzipien gestaltet. Hermeneutik besteht aus zwei Teilen:

  1. Exegese: Den Text in seinem ursprünglichen Zusammenhang verstehen.
  2. Deutung: Den Text in unserem eigenen Zusammenhang verstehen.

Es werden zwei Arten von Fragen gestellt:

  1. Exegetische >> literarische oder auf das kritische Bewusstsein abzielende Fragen – greifen auf Bibelstudien zurück.
  2. Deutende >> Fragen zum gemeinschaftlichen Bewusstsein – greifen auf Gefühle, Erfahrungen und Ressourcen der Gemeinde zurück.

Dr. Sarojini Nadar war eines der Gründungsmitglieder der Tamar-Kampagne Gegen Gewalt Gegen Frauen und Kinder, eine Kampagne des Ujamaa-Zentrums, die auf der Geschichte aus 2 Sam 13,1–22 beruht. Für weitere Informationen, inklusive detaillierte Erläuterungen zu KE, besuchen Sie die Ujamaa-Webseite: http://ujamaa.ukzn.ac.za/.

Fulata Moyo